Jun 02 2010
Portugal
Zurecht wird Portugal von Weinkennern gelegentlich als das ‘vergessene Weinland Europas’ bezeichnet. War Portugal einst von den Engländern ermutigt zu blühender Weinproduktion gelangt und für seine köstlichen Weinsorten bekannt, so wurde die Produktion während der Zeit der Diktatur weitgehend auf sehr einfache Massenweine für Osteuropa reduziert. Kleinere Weinbaubetriebe mit individuellen Interessen hatten keine Chance, sich diesem Druck zu widersetzen und das einstige Weinland Portugal wurde zum Massenproduzenten qualitativ minderwertiger Weine.
Schon lange ist dies aber nicht mehr der Fall und wer denkt, Portugal könne in Sachen Wein mit Ländern wie Frankreich und Italien nicht mithalten, irrt. Eine breite Palette an Rebsorten wartet darauf, von der Welt entdeckt und genossen zu werden. Mit dem EG-Beitritt Portugals wurden dem einzelnen Weinbauern wieder die Möglichkeiten geboten, seine Weine nicht für die großen Genossenschaften zu produzieren, sondern diese selbst abzufüllen und zu vermarkten. Und dies tun sie mit großem Erfolg, denn Portugal bietet mit seinen sehr unterschiedlichen Böden und teilweise enormen klimatischen Unterschieden sowie fast 500 autochthonen Rebsorten, ideale Voraussetzungen, verschiedenste köstliche und hochwertige Weine herzustellen. Wer sich in der Wein-Szene ein bisschen umhört, merkt, dass eine Entwicklung im Gang ist, die sicher nicht ohne Folgen bleiben wird. In immer kürzeren Abständen tauchen neue hervorragende Weine aus Portugal auf, die es mit den Klassikern aus Frankreich locker aufnehmen können. Die Tage, an denen Portugal unter Weinliebhabern ausschließlich wegen seiner Portweine geschätzt wurde, sind definitiv gezählt.